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Posts Tagged ‘Schulsystem’

..auf dem Weg “das Kind wird groß”.  Was ist das für ein merkwürdiges Gefühl, wenn man wie jeden Morgen im Bad steht, sich gemeinsam fertig macht und dann plötzlich innehält sich das Kind betrachtet und sieht wie groß es schon geworden ist. Da steht kein kleines Mädchen mehr. Die feinen Züge des Kindergesichts weichen dem einer kleinen Dame. (Ja mir ist das sehr oft bewusst,  sehr oft schaue ich sie an und frage mich “Wann ist das geschehen? Ist sie über Nacht gewachsen?” aber an Tagen wie heute nehme ich es noch einmal mehr wahr.) Da steht die Herzchaostochter nun mit der neuen Bluse die sie für den heutigen Tag ausgewählt hat und bürstet sich ihr Haar.  Mir kommt es vor als wäre es noch nicht lange her, da konnte sie gerade über das Waschbecken schauen, da suchte ich ihre Kleidung heraus, da spielten wir hungriges Waschlappenkrokodil und Karibaktusjäger (eine Wortschöpfung aus der Kleinkindzeit).

Heute ist kein gewöhnlicher Morgen. Nein, heute wird mein Kind einen Schritt weiter gehen in Richtung Pubertät, Selbständigkeit. Weiter raus aus den “Kinderjahren”. Die Grundschulzeit ist bald vorbei und die Herzchaostochter  hat ihr erstes Vorstellungsgespräch. Ja, mittlerweile gibt es das sogar an weiterführenden Schulen.

Sie hat sich auf Fragen vorbereitet, sich für den bilingualen Zweig entschieden, weiss genau warum sie auf diese Schule möchte und wird nun den ersten Schritt machen in Richtung “ich entscheide meinen weiteren Lebensweg”.

Ein wenig mulmig war ihr und ein Glas Rotbäckchensaft “Konzentration” musste vor dem Gespräch noch getrunken werden, aber alles verlief ganz reibungslos. Die Lehrerin lobte sie für das wunderbare Zeugnis, das beste was sie bis zu diesem Augenblick sah und da niemand mehr Fragen hatte hieß sie die Herzchaostochter herzlich willkommen* am  (“Herzchaostochter Wunsch”)-Gymnasium.

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*nun brauchen wir nur noch eine schriftliche Bestätigung der Schulleitung

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Heute bin ich sehr sentimental, das gute aber ist: ich weiss warum. Ich kann es einsortieren. Angefangen hat es heute morgen auf dem Weg in die Schule.* Die Herzchaostochter war so nervös, konnte ihre Gefühle sehr gut beschreiben und ich glaube durch ihre Beschreibungen ist mir bewußt geworden, das auch mir die Veränderungen und das größer werden der Maus weh tun.

* Wenn ich meine Fingernägel anschaue bzw. die  schmerzenden Fingerkuppen spüre weiss ich, dass diese Anspannung eigentlich gestern Abend schon da war.

Schon am letzten Schultag vor den Ferien, beim Abschlussgottesdienst und der Verabschiedung der damals Viertklässler habe ich es gespürt. Der Wechsel in die weiterführende Schule wird mir mehr das älter werden der Herzchaostochter und somit das weitere abnabeln bewusst machen als die Einschulung.

Ein Jahr Grundschule steht uns nun noch bevor. Ein Jahr noch für mich die Möglichkeit die Herzchaostochter in die Schule zu begleiten und sie wieder abzuholen. Ein Jahr noch ein Abschiedsküßchen am morgen vor dem Schultor und ein in die Arme fallen beim abholen. Ein Jahr den gewohnten Schulweg, die gewohnten Zeiten, die gewohnte Zweisamkeit. Ein Jahr NUR noch.

Wo ist bloß die Zeit geblieben?

Die Herzchaostochter sieht das im übrigen anders. Natürlich bringe ich sie auch noch in der 5. und 6.Klasse zur Schule und hole sie wieder ab. Mal schauen was sie dazu tatsächlich in einem Jahr sagt.

Und nun beende ich diesen Artikel. Ich habe Bauchweh und einen Kloß im Hals.*²


*² Ja, das ist eine Redewendung. Aber ich weiss was sie bedeutet und kann mit ihr auch mein Körpergefühl ausdrücken, im Gegensatz zu früher. Denn da stritt ich es ab und bestand darauf keinen Kloß im Hals zu haben, ich hätte ja keinen im Mund gehabt. Wenn jemand anderes mir diese Redewendung sagt, kann es aber auch vorkommen das ich frage ob er sich verschluckt hat. (was auch schon geschah)

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Die Zeit hat im Juni einen  Artikel zur Schulzeitverkürzung veröffentlicht in dem Henning Sußebach versucht seiner Tochter in einem Brief zu erklären warum die Freizeit für Kinder immer weniger wird. Auf 6 Seiten versucht er Worte zu finden und vergleicht die damalige Schulzeit mit der heutigen.

Auszüge des Briefes:
“(…) Und dass Du verstehst, ist wichtig: Denn es geht um Dein Leben und um das, was wir Erwachsenen daraus machen. Ich werde Dir von Schülern berichten, die krank werden vom dauernden Üben. Von Bildungsexperten, die Euch vorm Lernen warnen. Und von Eltern, die ihre Kinder trotzdem nicht in Ruhe lassen. Von Zeile zu Zeile werde ich wütender werden – weil ich wütend bin auf mich und auf ein Land, das Euch alle zu Strebern macht (…)”

“(…) Ein Kind hält sein Leben, so wie es ist, für ganz normal. Woher soll es wissen, dass alles auch anders sein könnte? Oder wie die Erwachsenen gelebt haben, als die noch klein waren? Dieses Hinnehmen ist schön, weil Ihr nicht so viel grübeln müsst: »Was wäre, wenn…?« Aber es macht Euch auch da fügsam, wo Auflehnung angebracht wäre. Du hast jeden Tag sieben Stunden Schule und weißt nicht, dass ich als Kind niemals täglich sieben Stunden hatte, in keinem einzigen Schuljahr. Dass ich nachmittags allenfalls vor dem Abitur so viel gelernt habe wie Du jetzt in der fünften Klasse, und niemals auf dem Weg ins Kino. Und dass ich heute manchmal so tue, als müsste ich noch arbeiten, wenn ich abends nach Hause komme und sehe, wie Du über Grammatik-Arbeitsblättern sitzt (…)”

“(…) Hartmut Rosa sagt, er macht sich Sorgen, weil Eure Kindheit so »vernutzt« ist. Dass alles einen Zweck hat, einen Sinn erfüllen muss. Dass wir Euch sogar dann, wenn wir Euch Gutes tun wollen, bloß wieder auf ein Leben als Erwachsene vorbereiten. »Es ist wichtig, körperlich fit zu sein und musikalisch, gesund zu essen, Freunde zu haben – und sich entspannen zu können!«, sagt er. Hartmut Rosa will, dass wir Erwachsenen Euch endlich in Ruhe lassen. Ein Kind soll im Jetzt leben und nicht dauernd ans Morgen denken. Ein Kind soll ganz bei sich sein dürfen, nicht für andere da sein müssen. Ein Kind soll die Muße haben, mit etwas zusammen zu wachsen. Das kann ein Baum sein, eine Straße, ein Fußballplatz, ein Tier. Vor allem fordert Hartmut Rosa: Ihr Kinder müsst Euch wieder langweilen dürfen. Denn irgendwann wird aus Langeweile Bewegung, ein Stromern und Streunen, das ziellos ist und doch an tausend Orte führt. Den schönsten Augenblicken der Kindheit geht die Langeweile voraus. Wer Langeweile hat, kommt auf die verrücktesten Ideen. »Die allermeisten Menschen würden im Rückblick doch sagen: Die endlos langen Sonntagnachmittage, an denen eigentlich nichts passierte, waren die Momente, in denen ich meine Seele spürte. In denen ich lernte, mich selber zu ertragen.« So sagt es Hartmut Rosa.(…)”

Mir treibt dieser Artikel immer und immer wieder Tränen in die Augen. Tränen der Angst. Es ist nicht nur dieser Brief, es ist auch das Wissen das es nicht mehr so lang ist, bis auch die Herzchaostochter auf eine weiterführende Schule geht. Im inneren weiss ich, das es zwei Ängste sind. Die erste resultiert daher, das ich befürchte  mit der Herzchaostochter nicht mehr diese kleinen Momente genießen zu können wie den Regen intensiv zu spüren und zu erleben, stundenlang Waldameisen zu beobachten oder über die kleinen Dinge dieser Welt zu philosophieren. Sehe ich doch jetzt schon an manchen Tagen wie der Schulalltag ihre Freizeit und damit auch ihre Stimmung beeinflusst. Gerade das dritte oben aufgeführte Zitat entspricht da genau meinen Gedanken.

Der zweite “Angst-Punkt” ist eigentlich eine Interpretation mit meinem eigenen Erleben. Wenn ich mir die Schulgebäude in unserer Stadt ansehe, zieht sich mein Magen zusammen. Ich spüre heute  die Überforderung die ich damals nicht spüren konnte. Dieses große Haus mit so vielen Türen, so vielen Räumen. Immer wieder mussten wir einen Raum verlassen und den nächsten aufsuchen. Wie oft wusste ich nicht weiter, wenn ich die Mitschüler aus den Augen verlor. Jedes Mal hoffte ich, dass sie direkt zum nächsten Klassenraum gehen, nicht erst nach draussen oder in die Kantine. Die Wege überforderten mich. Dazu die vielen Schüler, der ohrenbetäubende Lärm, Stimmengewirr, ungewollte Berührungen, zu viele Gerüche.

Der Wechsel von einem zweigruppigen Kindergarten in eine viergliedrige Grundschule war für die Herzchaostochter anfangs auch schwierig. Sie brauchte einige Zeit bis sie sich eingewöhnte. Wie wird dies an einer weiterführenden Schule sein? Natürlich ist eine Eingewöhnungzeit normal, aber wird sie Halt haben, Ansprechpersonen? Es werden viele neue Eindrücke auf sie zukommen, neue Räume, neue Wege, neue Geräusche, neue Gerüche, neue Mitschüler/innen, neue Lehrer/innen. Ich wünsche mir für sie, dass sie ihren Platz findet, einen Platz an dem sie sich wohlfühlt und an dem sie sich entfalten kann. Ohne viel Druck und mit Freude am lernen.

Ja, es gibt Momente an denen ich bereue sie nicht an der freien Schule angemeldet zu haben. Es wäre das richtige für sie gewesen. Ihre Psychologin sagte dies schon vor der Einschulung. Individuelle Förderung, viel Bezug zur Natur, praktisches lernen und keine Unterforderung auf Grund ihrer Hochbegabung (Schwerpunkt im sprachlichen und logischen Bereich). Doch leider konnte ich es mir damals so wie heute nicht leisten und frage mich:  Ist lernen nach eigenem Entwicklungsstand, individuell, praxisnah und ohne Frust Luxus? Genau das sind doch Dinge bei denen Kinder am besten lernen. Durch ausprobieren und begreifen (sprich fühlen/anfassen). Schon Kleinkinder erlernen das laufen nicht weil wir ihnen erklären wie es geht, sondern weil sie es ausprobieren.

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